"Small Spaces": Potential in der Innenstadt

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Braunschweig, 05. Dezember 2017 Technische Universität Braunschweig, Institut für Landschaftsarchitektur

"Small Spaces": Potential in der Innenstadt

Die Preisträgerinnen und Preisträger mit Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer (4. von links). Rechts im Bild der Gewinner des Wettbewerbs Dominik Keul. (Foto: TU Braunschweig)
Die Preisträgerinnen und Preisträger mit Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer (4. von links). Rechts im Bild der Gewinner des Wettbewerbs Dominik Keul.
(Foto: TU Braunschweig)

In Städten finden sich oft sehr zentral „übrig gebliebene“ Restflächen, Straßenrandbereiche, Baulücken oder unscheinbare Ecken. Diese Restflächen wirken identitätslos, wenig ansprechend und bleiben ungenutzt, weil sie verlärmt, verschattet oder in der Erreichbarkeit eingeschränkt sind.

Viele dieser Nicht-Orte können jedoch mit ortsangepassten Interventionen aktiviert und in Orte mit zukunftsfähigen Potentialen umgewandelt werden. Auch in Braunschweig fordern bürger- und kommunalpolitische Initiativen „mehr Grün in der Stadt“.

Auf Anregung des Baudezernats der Stadt Braunschweig haben 25 Architektur-Studierende am Institut für Landschaftsarchitektur, Prof. Gabriele G. Kiefer der Technischen Universität Braunschweig im Innenstadtbereich von Braunschweig kleinräumige, bisher wenig attraktive Potentialflächen untersucht und Gestaltungskonzepte zur Aktivierung dieser Orte entwickelt.

Die Vorschläge der Studierenden wollen entwurflich aufzeigen, wie die aktivierten Orte nicht nur Aufenthaltsqualitäten schaffen und Quartiere lebendiger machen, sondern auch das lokale Klima verbessern, Schatten spenden oder Habitate für in der Stadt lebende Tiere und Pflanzen bilden können.

Das Spektrum der Entwürfe reicht von attraktiven Grünräumen, kommunikativen Treffpunkten bis hin zu Baulichkeiten für öffentliche Zwecke. Die freiräumlichen und baulichen Interventionen der einzelnen Orte bieten vielfältige Nutzungsmöglichkeiten und wollen die Entwicklung der Stadtnatur fördern. Die Entwurfsansätze der Einzelorte sollen zudem Anregungen für ein übergeordnetes Gesamtkonzept zur Entwicklung kleinteiliger Orte in der Stadt Braunschweig geben.

Die Stadt Braunschweig strebt die Realisierung eines Projektvorschlags an. Zu diesem Zweck wurde von der Stadt Braunschweig gemeinsam mit der Richard-Borek-Stiftung ein studentischer Wettbewerb ausgelobt.

Eine Jury aus 10 Fach- und Sachpreisrichtern wählte die interessantesten Projekte aus und vergab Preise im Gesamtwert von 2000 Euro. In der Jury wirkten der Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer; der Fachbereichsleiter Stadtplanung und Umweltschutz Thorsten Warnecke; die Abteilungsleiterin Stadtplanung Annette Pülz, Prof. Hinnerk Wehberg, Hamburg; Prof. Anna Lundquist, BTU Cottbus, Prof. Inga Hahn, Hochschule Erfurt; Jan Pingel, TU Braunschweig sowie als politische Vertreter Herr Dennis Scholze (SPD), Herr Reinhard Manlik (CDU) und Herr Holger Herlitschke (Bündnis 90 /die Grünen) mit.

Die Preisverleihung fand im Anschluss an die Jurysitzung am Donnerstag 30.11. um 14.30 Uhr im Architekturpavillon statt.

Die besten Arbeiten sollen demnächst in der Stadt öffentlich ausgestellt werden.

Folgende Arbeiten wurden prämiert:

1. Preis 800€: „hortus conclusus“ von Dominik Keul
Der über zwei Zuwegungen erschlossene Hinterhof eines Gebäudeensembles im Magniviertel wird bisher hauptsächlich als Parkfläche für Anwohner genutzt und wirkt wenig einladend. Inspiriert vom klassischen Gartenmotiv des Hortus conclusus, soll ein Gemeinschaftsgarten geschaffen werden. Eine Parzellenstruktur aus Blüh-, Nutz- und Wildpflanzen bietet sowohl Menschen als auch Wildtieren in der Stadt einen Mehrwert. Der Garten wird von einem mäandrierend verlaufenden Wegeband erschlossen und von einer umlaufenden Wand aus karbonisierter Eiche gerahmt, die eine Passepartout bildet und alle Infrastrukturen integriert.

Der Siegerentwurf „hortus conclusus“ von Dominik Keul: ein Gemeinschaftsgarten auf einem Hinterhof im Magniviertel. (Entwurf: Dominik Keul )
Der Siegerentwurf „hortus conclusus“ von Dominik Keul: ein Gemeinschaftsgarten auf einem Hinterhof im Magniviertel.
(Entwurf: Dominik Keul )

Neben dem ersten Platz wurden zwei gleichwertige dritte Plätze mit je 300€ Preisgeld vergeben:

„Treppe+“ von Johannes Dimiropoulos
Das Entwurfsgrundstück grenzt südwestlich direkt an den Löwenwall mit Freitreppe und Wallterrassen sowie dem großen Platz zwischen der Kurt-Schumacher-Straße und der Okerbrücke. Der Entwurf soll den Transitcharakter des Platzes vor dem Löwenwall aufheben und räumliche Potentiale wie Freitreppe und Terrassierung bis ans Okerufer stärken. Eine großzügige Freitreppe mit Sitz- und Liegestufen, Terrassen, bespielten Elementen schafft einen barrierefreien, öffentlichen Zugang zur Oker.

"Great Pee“ von Nina Prochowski
Der am südwestlichen Stadteingang an der Ecke Süd-/Güldenstraße gelegenen, derzeit als Parkplatz genutzten Fläche wird das Potenzial eines Auftaktortes für das Braunschweiger Innenstadtleben zugeschrieben. Stadtmöbel, die sowohl Sitzangebote als auch Fahrradabstellmöglichkeiten bieten, erfüllen Bedürfnisse von Nutzern am Tag und in der Nacht. Mit großem Schriftzug aus Neonlicht wird ein öffentliches Urinal - das “Great Pee” zum Blickfang und Anziehungspunkt des Platzes und gibt ihm seine Identität. Nach außen werden die Spiegelwände des Urinals zum Reflektor des umgebenden Nachtlebens.

Eine Arbeit erhielt einen Sonderpreis zu 200€:

„Konservat der Biosphäre I“ von Janek Meyer
Durch stetige Urbanisierung verdrängt der Mensch zunehmend ökologische Flächen und grüne Oasen in seinem eigenen Lebensraum. Während es in Braunschweig zumindest einen ‚grünen Gürtel‘ um die Innenstadt gibt, ist das Innere von jeglichem Grün befreit. Der Entwurf zielt darauf, das natürliche Wachstum und den Zerfall des ökologischen Zyklus der Biosphäre auszustellen. Ein von einer übergroßen Phiole abgekapseltes Grünsystem soll Schaubild dieses Prozesses und Mahnmal für zukünftige Generationen sein.

Vier weitere Arbeiten erhielten Ankäufe zu je 100€:

„abstrakt cloister“ von Erin Lara Nies
Auf einer 200qm großen Baulücke in der südlichen Altstadt Braunschweigs soll ein Ort für Gemeinschaft und Kontemplation in der Nachbarschaft des ehemaligen Klosters St.Aegidien und John-F-Kennedy-Schule entstehen. Das Motiv eines klassischen Klostergartens mit vom Kreuzgang umschlossenen Innenhof wird neuinterpretiert.

„Einsicht trifft Weitsicht“ von Nadine Grabinger & Daniel Leseberg
Am Südende des Löwenwalls gelegen bot der„Windmühlenberg“ bis zu seinem Abtrag in den 1950er eine gute Aussicht zur Innenstadt und bei klarem Wetter bis hin zum Harz. Während der Aussichtsturm, auf dem ehemaligen Niveau von 95,9 Metern über NN ,die Strahlkraft nach Außen sucht, ist der zweite Interventionsbaustein als Schutz- und Aufenthaltsraum für Drogenabhängige, der Ruhe und Abgeschlossenheit gewidmet.

„Under the Tree“ von Martha Katharina Budz
Der John F. Kennedy - Platz in Braunschweig ist bisher ein reiner Transitort mit kleinteilig und zerfallen wirkenden Grünflächen. Um den Transitcharakter des Ortes zu entschärfen und um mehr Interaktion zwischen den einzelnen Nutzergruppen zu ermöglichen, wird eine Erweiterung und Zusammenfassung der vorhandenen Grünflächen zu einem in „Garten-/Aktiv- und Treffinseln“ zonierten Park vorgeschlagen.

„Urbane Sportinsel Alte Waage“ von Katharina Kober
Viele als Pufferzonen zwischen Gebäuden und Verkehrsflächen liegende Freiflächen wirken ungenutzt und wenig einladend, wie auch die „Restflächen“ um die Sporthalle Alte Waage. Der Entwurf möchte die Teilräume zu einer identitätsprägenden Fläche zusammenfügen und die sportlichen Aktivitäten im Inneren der Sporthalle nach außen hin ablesbar machen. Ein durchgehender Gummigranulatboden mit Sportflächen- markierungen und Outdoorsportgeräten animiert zur sportlichen und spielerischen Freiraumaneignung.



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