Stadt hilft bei Miet- und Energieschulden

Themenbanner

alle Nachrichten

Braunschweig, 29. Dezember 2017

Stadt hilft bei Miet- und Energieschulden

Die Stadt Braunschweig bietet ihren Bürgerinnen und Bürgern Hilfen bei Miet- und Energierückständen an. Zuständig ist die Abteilung Wohnen und Senioren, Stelle Wohnhilfen in der Naumburgstraße 25.

6 Sozialarbeiterinnen helfen den Betroffenen, ihre Wohnung zu behalten und/oder eine Unterbrechung der Energieversorgung zu vermeiden bzw. die Sperrung wieder aufzuheben. Denn der Verlust der Wohnung und die eventuelle Einweisung in eine Notunterkunft setzen einen Teufelskreis in Gang: Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sinken und Kontakte zur Familie und zu Bekannten brechen häufig ab. Soziale Ächtung und zunehmende Perspektivlosigkeit sind weitere Folgen.

Der angespannte Wohnungsmarkt in Braunschweig erschwert die Chancen für Menschen mit geringem Einkommen zudem erheblich. Die Betroffenen haben es schwer, aus dieser Situation wieder herauszukommen. Das Gespräch mit den Sozialarbeiterinnen der Stadt Braunschweig ist vertraulich. Die Kontaktaufnahme zu anderen Stellen erfolgt nur mit Einverständnis der Hilfesuchenden.

Im Gespräch werden die Faktoren, die zu den Rückständen geführt haben, geklärt. Die Ursachen für die Entstehung von Miet- und Energieschulden sind vielfältig: Die Situation auf dem Arbeitsmarkt für Geringverdiener/innen mit oft befristeten Arbeitsverhältnissen, der Wechsel zwischen Arbeit und Arbeitslosigkeit, Trennung und Scheidung, Krankheit mit der Folge des Krankengeldbezugs und evtl. folgende Erwerbsunfähigkeit, Schulden, Sucht sowie psychische Einschränkungen spielen eine Rolle.

Häufig sind es mehrere dieser Faktoren, die zu der Problematik geführt haben. Die Betroffenen fühlen sich oft überfordert, öffnen ihre Post nicht mehr und verdrängen das Problem. Für alle Betroffenen kann eine zeitnahe problembezogene und der Situation angemessene Hilfe gewährleistet werden. Weitere Hilfen wie z. B. durch die Suchtberatungsstellen, Schuldnerberatung etc. können angestoßen werden. Ein wichtiger Baustein der Hilfeleistung ist die Klärung der wirtschaftlichen Situation.

Häufig haben die Betroffenen ein zu geringes Einkommen und aus Unwissenheit die ihnen zustehenden Sozialleistungen nicht in Anspruch genommen, z.B. beim Jobcenter, der Wohngeldstelle oder der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, so dass erst mal die entsprechenden Anträge gestellt werden müssen. Die Sozialarbeit unterstützt dabei, soweit notwendig. Zudem werden vorliegende Bescheide erläutert, wenn die komplexen Berechnungen nicht nachvollzogen werden können.

In manchen Fällen kommt es zu Nachzahlungen von Sozialleistungen, wodurch die Schulden teilweise oder ganz ausgeglichen werden können. Fast immer gelingt es, dass die Mieten fortan wieder regelmäßig gezahlt werden können und der erste Schritt ist getan, die Wohnung zu erhalten. Außerdem nimmt die Sozialarbeit Kontakt zu Vermieter und Energieversorger auf, klärt die genaue Höhe des Rückstands und sucht gemeinsam Lösungen, z.B. durch eine zumutbare Ratenzahlungsvereinbarung. Bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen kann auch eine finanzielle Hilfe in Betracht kommen, die jedoch grundsätzlich zurückzuzahlen ist. Eine der Voraussetzungen dafür ist, dass die Wohnung für die Anzahl der Personen nicht zu groß und zu teuer ist. Für die Wohnhilfe ist es (fast) nie zu spät.

Sollte bereits eine fristlose Kündigung wegen nicht bezahlter Miete vorliegen, kann noch innerhalb der gesetzlichen Schutzfrist der Mietrückstand ausgeglichen werden und die fristlose Kündigung wird damit unwirksam. Sogar nach Zustellung einer Räumungsklage kann eine Fortsetzung des Mietverhältnisses noch gelingen. Dann ist jedoch Eile geboten; will der Mieter sich gegen die Räumungsklage verteidigen, muss er das dem Amtsgericht innerhalb von zwei Wochen anzeigen. Die Stelle Wohnhilfen weiß, was zu tun ist und steht den betroffenen Personen beratend und unterstützend zur Seite. Höchstes Ziel ist, die Wohnung zu erhalten, was leider nicht immer gelingt. In solchen Fällen zielt die Beratung darauf ab, Hinweise zu geben, was bei einer Räumung zu beachten und was bei der Neuanmietung einer Wohnung wichtig ist.

Hilfe bei der Wohnungssuche gibt es ebenfalls bei der Stadt Braunschweig in der Zentralen Stelle für Wohnraumhilfe, Naum-burgstr. 25. Wer wirklich seine Wohnung verliert, aber noch keine neue anmieten konnte, weiß manchmal nicht, wohin er gehen kann. Die Stadt Braunschweig kann die Betroffenen dann unterbringen. In den Unterkünften gibt es ebenfalls eine Beratung durch Sozialarbeiterinnen, um die Wohnungslosigkeit möglichst schnell zu beenden.

In 2016 sind der Stelle Wohnhilfen 965 von Wohnungslosigkeit bedrohte Haushalte bekannt geworden. In 545 Fällen konnten die Wohnungen dauerhaft erhalten werden, u.a. auch durch Aktivierung von Selbsthilfekräften.

Kontakt: Fachbereich Soziales und Gesundheit Stelle 50.12 Wohnhilfen Naumburgstr. 25 38124 Braunschweig

Sprechstunde Mo, Mi, Fr 9.00 – 12.30 Uhr und nach Vereinbarung 0531-470 5140 (Frau Koch) oder 470 5120 (Frau Sterner) wohnhilfen@braunschweig.de

 (Foto: pixabay)
(Foto: pixabay)

Fallbeispiel A: Frau A. (Fall fiktiv) ist alleinerziehend und hat 2 Kinder im Alter von 2, 5 und 7 Jahren. Sie arbeitet in Teilzeit bei einer Reinigungsfirma und erhielt bis vor 4 Monaten regelmäßig Unter-halt vom Vater der Kinder. Als plötzlich die Zahlung ausblieb, versuchte sie zunächst, selbst den eigenen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Sie hoffte immer, bald wieder Geld von ihm zu erhalten. Sie schaffte es aber nicht, die Miete zu zahlen. Der Vermieter mahnte. Sie reagierte erst, als sie die fristlose Kündigung für die Wohnung erhielt.

Obwohl ihr das Thema peinlich war, vertraute sie sich einer Freundin an, die durch einen beim Jobcenter ausliegenden Flyer das Hilfsangebot der Stadt Braunschweig kannte und sie in die Naumburgstr. 25 begleitete. Frau A. muss zunächst Leistungen nach dem Unterhaltsvorschussgesetz beim Jugendamt beantragen, um ihre Einkommenssituation zu festigen. Außerdem soll sie sich bei der Wohngeldstelle, die im selben Haus ist, melden und den Anspruch prüfen lassen. Mit dem Vermieter wird mit Einverständnis von Frau A. von der Sozialarbeit Kontakt aufgenommen, um die Situation zu klären und evtl. eine Ratenvereinbarung zu initiieren. Aufgrund der relativen Geringfügigkeit der Summe gelingt das.

Fallbeispiel B: Die Sozialarbeit wird über das Amtsgericht informiert, dass Herr M.,20 Jahre (Fall fiktiv) eine Räumungsklage erhalten hat und lädt ihn schriftlich ein. Nachdem er darauf nicht reagiert, macht die Sozialarbeiterin einen Hausbesuch. Auffällig ist der offensichtlich länger nicht geleerte überquellende Briefkasten. Herr M. öffnet auf Klingeln die Tür. Die Wohnung macht einen stark vernachlässigten Eindruck, Herr M. wirkt antriebslos. Im Gespräch stellt sich heraus, dass er unter Depressionen leidet, seinen Ausbildungsplatz verloren hat und seitdem bis auf das Kindergeld kein Einkommen mehr hat. Außerdem ist der Strom gesperrt.

Herr M. wird motiviert, einen Antrag beim Jobcenter zu stellen, um wieder ein existenzsicherndes Einkommen zu haben. Nach Beratung entscheidet er sich, sich sofort gegen die Räumungsklage zu verteidigen, um 2 Monate Zeit zum Ausgleich der Rückstände zu haben. Dabei unterstützt die Sozialarbeiterin, ebenso bei der Zusammenstellung der Unterlagen für das Jobcenter. Der Vermieter wird benachrichtigt, dass Herr M. in Beratung ist. Zum Energieversorger wird ebenfalls Kontakt aufgenommen. Zudem wird Herrn M. eine ambulante soziale Betreuung vorgeschlagen, damit er Unterstützung im Alltag erhält. Das will er machen, und es werden ihm die entsprechenden Anbieter genannt. Auch rät ihm die Sozialarbeiterin, sich wegen der Depression behandeln zu lassen. Herr M. erhält nach Antragstellung ein zinsloses Darlehen zum Ausgleich der Miet- und Energieschulden.

Die Mieten und die Abschläge für den Energieversorger werden ab sofort über das ALG 2 direkt an den Vermieter gezahlt. Inwieweit er sich zukünftig helfen lässt, bleibt abzuwarten.



alle Nachrichten